Wären wir Freunde vollmundigen Lobpreisens, hätten wir uns bei den jüngsten Verkostungen südafrikanicher Weine sicher sehr wohl gefühlt. Tatsache ist, dass die besten Roten vom Western Cape inzwischen ein Niveau erreicht haben, das weltweit keine Konkurrenz mehr fürchten muss. Zwei „Traumweine“ unter den gut 100 verkosteten Mustern dieser Serie – hinzu kommen die exzellenten Chenins und Syrahs der beiden vorangegangenen Reports –, dazu noch drei, die mit sich mit ein wenig mehr Reife dieses Prädikat verdienen könnten, sind ein Resultat, das wir nicht alle Tage erleben.

Dass die besten Gewächse dabei überwiegend von „alten Bekannten“ stammten, die schon aus früheren Verkostungen als Sieger hervorgegegangen waren, musste dabei nicht wirklich erstaunen. Auch wenn Weinfreunde und Weinprofis gerne der Schnitzeljagd nach immer neuen, „heißen“ Namen frönen, bleibt es ein Fakt, dass das Keltern großer Weine nicht den frenetischen Rhythmen der modernen (Medien)Gesellschaft gehorcht, sondern eine Angelegenheit von vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ist, bevor sich Qualität und Erfolg einstellen und auf hohem Niveau konsolidieren lassen.
Das erstaunlichste Ergebnis der jüngsten Verkostungen war dabei ein Cabernet Sauvignon des Weinguts Springfield aus Robertson, den wir schon in vergangenen Jahren wiederholt verkostet hatten. Der scheint, ganz ungeachtet seines inzwischen hohen Alters immer besser, vor allem aber immer frischer zu werden. Weniger erstaunlich, weil es das Ergebnis der Syrah-Verkostung bestätigt, war und ist die Tatsache, dass die meisten der Topweine dieses Reports aus Stellenbosch und Umgebung stammen. Wie gesagt: Qualität und Erfolg brauchen Zeit.