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Italien, Piemont, Barolo-Gebiet

Piemont 2010

Warum die Winzer der Anbaugebiete um das piemontesische Alba sich Anfang dieses Jahres entschieden, statt der Agentur, die seit 15 oder 20 Jahren die traditionellen Verkostungen organisierte, eine neue zu beauftragten - auch der Name der Veranstaltung wurde von "Alba Wines Exhibition" in "Nebbiolo Prima" geändert - , bleibt ihr Geheimnis: Für uns bedeutete die sehr kurzfristige Verlegung des seit Jahren fest etablierten Termins, dass wir nicht teilnehmen konnten. Aber! Auf unsere Bitte, uns Muster ihrer Weine nach Hamburg zu schicken, antworteten immerhin 33 Betriebe, und unter den 100 Mustern (fast ein Drittel dessen, was wir normalerweise in einer Woche in Alba schafften), die wir für Sie verkosten konnten, waren eine Reihe überragender Weine - vor allem Barolos.

Blick von La Morra über das Barologebiet (Foto: E. Supp)

So hielt sich unser Bedauern, nicht an der großen Probe in Alba teilnehmen zu können, letztlich in Grenzen, zumal bei der Probe in unserem Büro in Hamburg einige herrliche Weine angestellt waren. Ergänzt wurde das Panorama durch eine kleine Zahl Weine von La Spinetta, die wir vor einigen Monaten bei einer Händlerpräsentation verkosten konnten.

Obwohl der Aufruf zur Verkostung also recht gut befolgt wurde - vor allem, wenn man die knappe Frist berücksichtigt, die wir den Winzern einräumten -, so blieben wir doch auch nicht von einem Phänomen verschont, das die Veranstaltung in Alba schon seit geraumer Zeit plagt: die Abwesenheit vieler der bekannteren und besseren Betriebe, die offenbar immer noch nicht die Zeichen der Zeit verstanden haben. Das führte immerhin dazu, dass Betrieben wie dem Weingut der F.lli Revello, die schon lange zu den Spitzenwinzern La Morras gehören, aber immer ein wenig im Schatten berühmterer Namen standen, vielleicht endlich die verdiente Aufmerksamkeit zukommt.

Anders als in Frankreich, wo wir in den letzten Jahren nach Aufrufen zur Probeneinreichung mit Ausnahme weniger Renommiernamen oft die Crème de la crème verkosten konnten - vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an Weine von Château Léoville-Barton aus Bordeaux, an Château de la Tour und Compagnie aus dem Burgund - scheinen viele italienische Winzer immer noch auf einem sehr hohen Ross zu sitzen.

Statt die sich bietenden Gelegenheiten, bei denen über ihre Weine geschrieben und gesprochen wird, zu nutzen, lamentieren sie lieber über die schwierigen Märkte, die niedrigen Fassweinpreise und ihre vollen Lager. Sei's drum, wird jetzt vielleicht der eine oder andere Weinfreund sagen, es gibt zu viele sehr gute oder sogar große Weine in der Welt, als dass man den Piemontesern nachlaufen müsste. Schade wäre es allerdings doch, wenn für den Piemonteser Weinbau aus dieser Haltung ein irreparabler Schaden entstünde, denn immerhin produziert die Region einige der unverwechselbarsten und ausdrucksvollsten unter den großen Weinen der Welt.

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