Es war eigentlich kein schwieriger Jahrgang, wenn man nur die klimatischen Bedingungen betrachtet. 2009 - ganz im Unterschied zum Folgejahrgang 2010 - bot in ganz Europa, von Bordeaux über Burgund, Deutschland bis nach Österreich, optimale Reifebedingungen für die Trauben. Umso erstaunter waren wir bei unseren Verkostungen, die der Weinbauverband des Burgund BIVB auf unsere Bitte hin in Beaune organisierte, und das, obwohl wir uns von vornherein auf Premiers und Grands Crus beschränkt hatten.
Um es drastisch zu sagen: Eine ganze Serie von Weinen, die wir dort verkosteten, waren schlichtweg inakzeptabel. Darunter Weine, die die prestigeträchtige Bezeichnung Grand Cru trugen, aber wohl allenfalls in die Gruppe der "village"-Weine, der Kommunalappellationen gehörten. Dann aber erlebten wir - im Rahmen der an die Verkostung anschließenden Besuche und einer in Hamburg organisierten Nachverkostung der Weine von Erzeugerbetrieben, die die BIVB-Verkostung aus welchem Grund auch immer verpasst hatten - die andere Seite dieses Jahrgangs: Weine mit enorm viel Finesse, fester Struktur, Alterungspotenzial - alles also, was man sich von einem großen Burgunder erwartet. Und zum Glück waren da ja auch noch die zahlreichen Weine des noch jungen Jahrgangs 2010 ...
Eigentlich unerklärlich dieser Widerspruch, aber Sylvain Pitiot, der "régisseur" des Clos de Tart, half uns auf die Sprünge, als er andeutete, vielleicht sei der Jahrgang zu gut, sprich, zu leicht gewesen. Vor allem aber von den Winzern zu sehr auf die leichte Schulter genommen worden: Nachlässige Weinbergsarbeit und viel zu hohe Erträge seien der Preis für diese Leichtfertigkeit gewesen.
Eine Randbemerkung sei uns an dieser Stelle noch zum leidigen Problem der Korken gestattet. Wer immer behauptet, das Problem sei gelöst oder man stehe zumindest kurz davor, dem sei eine aufmerksame Lektüre der Verkostungsnotizen empfohlen. Die vielen Weine, von denen wir die Konterflasche öffnen mussten, sprechen Bände.
Über die Schwierigkeiten der Burgunder bei der Vermarktung ihrer Weine habe ich schon im WorldWine Blog berichtet, So muss es nicht verwundern, wenn einige der Betriebe, sogar solche, die bei unseren Verkostungen ganz exzellent abgeschnitten haben, mehr oder weniger verzweifelt Importeure suchen. Unter ihnen die Domainen Taupenot-Merme, Frédéric Magnien und Jean Fournier, wenn ich das aus den Gesprächen richtig erinnere. Kontaktaufnahme erwünscht!