Der schrecklich nette Mr. Karp – Über die Kunst, mit der kritischen Theorie Schindluder zu treiben

 

Eine Rezension von Eckhard Supp

letzte korrigierte Fassung vom 6.9.2026

Pauschale, simplifizierende Kritik entlang ideologischer Linien ist in der aktuellen (gesellschafts-)politischen Literatur weiß Gott kein seltenes Phänomen. Solche Kritik hat sich in den letzten Monaten auch über das 2025 sowohl im Original wie auch in der deutschen Übersetzung erschienene Buch „The Technological Republic“[1] und ein später erschienenes 22-Thesen-Papier[2] von Alexander Karp und Nicholas Zamiska (In der Folge spreche ich der Einfachheit halber in der Regel nur von Karp) ergossen, beide in leitender Funktion – Karp auch Mitgründer – beim milliardenschweren, aber auch viel kritisierten Anbieter von digitalen Sicherheitsanalysen und -lösungen mit Sitz in Denver (Colorado), Palantir Technologies.

Die Phalanx derer, die da in rascher Folge ihre recht einmütig kritische – wenn auch mit unterschiedlichen inhaltlichen Akzenten und Kritikansätzen – Haltung zum Ausdruck brachten, reichte von der taz[3] über tagesschau.de[4], business-punk.com[5], medium.com[6], die Deutsche Welle[7], den österreichischen Standard[8], table.media[9], den früheren griechischen Finanzminister Varoufakis auf seiner Homepage[10], Frankfurter Rundschau[11], Süddeutsche Zeitung[12] und Hamburger Abendblatt[13], bis hin zur Jüdischen Allgemeinen[14], und ich bin mir fast sicher, dass diese Auflistung weit davon entfernt ist, vollständig zu sein.

Richtig kreativ werden die Karp-Kritiker beim Erfinden oder auch nur Nachplappern schlagkräftiger „buzzwords“, sprich trendiger Worthülsen. „Kommt nun der ‚Techno-Faschismus‘?“ fragt etwa David Ehl in seinem Artikel über die 22 Thesen auf dw.com[15], wo er den von dem belgischen Philosophen Mark Coeckelbergh[16] und dem niederländischen Politologen Cas Mudde[17] in die Diskussion gespielten, aber auch etwa von tagesschau.de[18] – immerhin apostrophiert – verwendeten Begriff aufnimmt, ohne auch nur ansatzweise zu klären, was genau an Karp und seinen Statements faschistisch ist, noch, was an diesem Faschismus die „technologische“ Besonderheit darstellt; der reine Herrschaftswille, die Sehnsucht nach „Dominanz“ jedenfalls genügen diesem Terminus nicht. Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, dass es reiche, zwei, drei Mal „Faschismus“ in die Debatte zu werfen, und damit sei alles gesagt, wenn nicht sogar erklärt. In Wirklichkeit herrscht in solchen Kritiken Inhaltsleere auf weiter Spur, eine Inhaltsleere, wie ich sie auch bei Karp selbst konstatiere – doch dazu später.

Vielleicht etwas mehr „literarische“ Qualität bei allerdings gleicher Inhaltsleere kennzeichnet den Begriff, den Yanis Varoufakis, Polemik-begabter griechisch-australischer Wirtschaftswissenschaftler, Abgeordneter im Athener Parlament und einst Griechenlands Finanzminister, zur Diskussion „beiträgt“[19]. Er spricht von „technolordism“, was Wikipedia mit „Technofeudalismus“ aus dem Englischen übersetzt, und mit der behaupteten, keinesfalls erklärten Definition garniert, darunter verstünden „Analytiker und Autoren“, „dass große Internet-Konzerne heute in vielerlei Hinsicht die Rolle von mittelalterlichen Feudalherren einnehmen.“[20] Erklärung? Begründung? Beweise? Keine Spur – genauso wenig, wie in vielen anderen dieser Kommentare. Hauptsache, das gewählte „buzzword“ ist ausreichend negativ konnotiert, kommt ausreichend „krass“ daher und wird von allen, die dem „richtigen“ (politischen) Lager angehören, goutiert.

Medienwissenschaftler Friedemann Ebel diagnostiziert diese Attitüde zwar auch bei Karp selbst, wenn er ihm vorwirft, neben einigen „Tech-Bro-Business-Floskeln“, vor allem zum „Kulturkampf“ aufzurufen und dann ironisiert: „Wir, die Guten, müssen gegen die ‚bösen Fremden‘ kämpfen“[21]. Aber dass Karp selbst sich im Himmelreich der Lagerdenker[22] bewegt, legitimiert m. E auf keinen Fall, dass seine Kritiker sich derselben Denkverkürzungen bedienen. Insgesamt gesehen wünschte man sich jedenfalls von Kritikerseite deutlich mehr Argumentation und Detail und deutlich weniger Übertreibung, wie sie Michael Hesse, Leiter des Ressorts Feuilleton der Frankfurter Rundschau auf fr.de referiert, wenn er schreibt, Karp gelte „mit seiner Firma Palantir aus Sicht der Medien als eine der gefährlichsten Personen der Welt“[23]. Für diesen „Ehrentitel“ gäbe es doch sicher, meine ich, rund um den Globus jede Menge anderer und „besserer“ Kandidaten.

Angesichts solch ausgeprägter Neigung zum Simplifizieren muss es nicht verwundern, dass es mancher der Kritiker auch mit den Fakten nicht so genau nimmt. So etwa Coeckelberg, wenn er Palantir als „led by Alexander Karp and founded by Peter Thiel“[24] beschreibt, was die Mitgründerschaft von Karp (und einigen weiteren Kollegen) schlicht unterschlägt. Auch der Widerspruch zwischen Coeckelbergs „Analyse“, Karps Ideologie sei „openly hostile to liberal democracy“[25], und dessen „Selbsteinschätzung“, in der Karp sich als Liberalen sieht, wäre zumindest einer kleinen aufklärerischen Anstrengung würdig gewesen.

Schließlich notiert Karp gleich am Anfang seines Buchs ein nicht zu übersehendes Bekenntnis zur politischen Aufgabe, die „…jenseits einer festen und unverrückbaren Verpflichtung zum Liberalismus und seinen Werten, darunter der Weiterentwicklung der individuellen Rechte und Gerechtigkeit, unsere gemeinsame Vision der Gemeinschaft ausmacht …“[26]

In diesem Rahmen hätte man gleich auch diskutieren können, was es heißt, dass Karp sich mal als Liberalen – aber nicht „woke“[27] –, mal als „Neo-Marxisten“[28] sieht, was auch immer das heißen mag; dass er die (politischen) Seiten zu wechseln scheint, wie es ihm gerade passt. Wobei die Verwunderung über derlei scheinbare Widersprüchlichkeit, solchen Seitenwechsel zumindest befremdlich wirkt, denn die Geschichte ist voll davon: Als eines der markantesten Beispiele, mit denen ich in meiner eigenen Vergangenheit konfrontiert war, erinnere ich den Wechsel des radikal „linken“ RAF-Anwalts und -Sympathisanten ins extrem rechte Nazi-Lager – mit der Problematik habe ich mich auch in meiner Rezension zum Thema Karl Heinz Haag beschäftigt.[29]

Diese Widersprüche werden genauso wenig aufgelöst, wie der zwischen dem selbsterklärten Liberalismus Karps und seiner angeblichen ideologisch-politischen Nähe zu Donald Trump. „CEO Karp war Sozialist. Jetzt steht er völlig hinter der Trump-Regierung“[30], postuliert etwa Jannis Brühl in der Süddeutschen Zeitung, und schiebt, sozusagen als Erklärung, hinterher: „Palantir ist ein großer Gewinner der Trump-Jahre, dank der vielen Staatsaufträge ging der Aktienkurs steil nach oben“[31], dem die Tatsache, dass nicht wenige der erfolgreichen Palantir-Jahre in die Regierungszeit Joe Bidens fielen, offenbar keinen Gedanken wert ist. Genauso, übrigens, wie die Tatsache, dass Palantir-Software auch der Ukraine im Kampf gegen Russland hilft. Auch Coeckelbergh hatte ähnliche Nähe zu Trump suggeriert, ohne sie belegen zu können. „With its ties to state power, and in particular the Trump regime, the goal is power accumulation.”[32]

Dass Karps Thesen „auffällig gut zu den wirtschaftlichen Interessen des Datenkonzerns“[33] passen, wie tagesschau.de „analysiert“ muss derweil nicht wirklich verwundern, auch nicht, dass sich einige Passagen von Karps „Technological Republic“ tatsächlich wie eine Werbebroschüre zugunsten Palantirs lesen[34]. Eher wäre das Gegenteil Grund zum Stirnrunzeln.  Allerdings, so warnt eine Besprechung des Hamburger Abendblatts, könne man zwar „das säkulare Evangelium von St. Karp als überkandidelten Werbetext lesen“[35], man sollte es aber doch sehr viel ernster nehmen.

Natürlich gab und gibt es neben den zitierten Haudraufs auch anspruchsvollere, sachlichere, sozusagen deutlich „filigranere“ Kritiker. Zu ihnen gehört auch der Autor eines Artikels des Business Insider, der sich allerdings weniger mit den erst später erschienenen Karpschen Texten als vielmehr mit der Firma Palantir auseinandersetzt und dabei vor allem sachliche Fehler der „Kollegen“ korrigiert: „2003 kontaktiert Paypal-Gründer Peter Thiel seinen ehemaligen Stanford-Kommilitonen Alexander Karp und spricht mit ihm über die Idee, Datenanalyse in großem Stil zur Betrugsbekämpfung zu nutzen. Sie gründen gemeinsam mit Joe Lonsdale, Stephen Cohen und Nathan Gettings das Software-Startup Palantir.“[36]

Deutlich interessanter und direkt auf Karps Thesen zielend ist ein Essay der US-amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Moira Weigel[37], die es unternimmt, Karps in „The Technological Republic“ entwickelte Gedanken auf die Thesen seiner 2002 im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität[38] vorgelegten Inauguraldissertation zurückzuführen, eine Arbeit, die Peter Neumann in der Zeit zwar einigermaßen deutlich als „schmale Seminararbeit“[39] abqualifiziert – ich selbst hätte, wäre die Arbeit nicht schon 2002 entstanden, eher den Verdacht gehegt, dass es sich um einen KI-generierten Text handeln könnte, was aber vielleicht nur auf sprachliche Schwierigkeiten Karps[40] zurückzuführen ist[41] –, ihr gleichzeitig aber, ähnlich Weigel, die Qualität eines „Schlüssel(s) zu seinem (Karps, E. S.) Denken“[42] attestiert.

 

Lernen beim Promi

Die Begleitumstände dieser Dissertation scheinen dabei in mancher Kritik mehr Widerhall gefunden zu haben als die Arbeit selbst. Vor allem ein Name wird immer wieder genannt: der des Soziologen und Philosophen der Frankfurter Schule, Jürgen Habermas (1929-2026). Stefanie Buzmaniuk (Le Grand Continent) scheint dabei eine vieldiskutierte Frage auf den Punkt zu bringen: „War der Palantir-Gründer Alexander Karp wirklich ein Schüler von Jörgen Habermas?“ überschreibt sie ihr Interview[43] mit Karps Dissertations-Gutachterin, der Frankfurter Soziologin und Sozialpsychologin Karola Brede.

Karp selbst äußerst sich zu seinem Studium in Frankfurt in einem kurzen Aufsatz unter dem leicht mit falscher Intimität aufgeplusterten Titel „My Time with Jürgen Habermas, Europe’s ‘Last Intellectual’”[44]. Seine autobiographische Ich-Erzählung („My first meeting with J. H.“, „… I had just arrived in Frankfurt am Main …“, „I wrote a letter to Habermas …”[45]) entbehrt dabei praktisch auf ganzer Linie einer inhaltlichen Begründung für das Interesse eines Studiums beim Frankfurter Altmeister, sieht man von vagen Bemerkungen im Stil von „My professors ….introduced me to intellectual traditions from pragmatism and psychoanalysis to the Frankfurt School of social thought …, including … Jürgen Habermas“[46] ab. Einziges Motiv Karps für seine Bemühungen scheint die Tatsache gewesen zu sein, dass Habermas als der Welt bedeutendster und einflussreichster lebender Philosoph galt[47]. Es ist die gleiche Inhaltsleere, die ich bereits bei einigen von Karps Kritikern notiert hatte und die den Schlüssel zu einer Karp-Kritik darstellen könnte. Kein Gedankengang, keine theoretische Entwicklung, keine Veröffentlichung des Meisters – allein der Promi-Faktor scheint in der Karpschen Lebensentscheidung eine Rolle gespielt zu haben.

Die zitierte Frage, ob Karp (wirklich) „bei Habermas“ studiert hat, ist auf diesem Hintergrund allerdings genauso belanglos, wie die nach den Gründen der „Trennung“, der Auflösung des „Betreuungsverhältnisses“ im Rahmen der Karpschen Promotion, auf halbem Wege. Karp macht aus Letzterer im zitierten Aufsatz kein Geheimnis und schildert erstaunlich sachlich – anders als einige Kritiker, die selbst aus der Tatsache, dass diese Trennung per „maschinengetipptem (sic! Nicht etwa maschinengeschriebenem, E. S.) Fax[48]“ erfolgt, ein Mini-Skandälchen zu machen scheinen. Oder meinen, betonen zu müssen, dass Habermas Karps bis dahin geleistete Arbeit „schonungslos“ kritisiert habe. Immerhin, so erzählt es jedenfalls Karola Brede, die schließlich die Betreuung bzw. Begutachtung der Arbeit übernahm, „… hat er (Karp, E. S.) dann mich gefragt, ob ich seine Dissertation betreuen kann, und ich hatte nichts dagegen. Und mit Habermas hat er das dann auch geklärt – das war undramatisch“[49]. Dass Brede mit Karps Text inhaltliche Schwierigkeiten hatte, schreibt sie selbst, was sie aber nicht daran hindert, diesen mit „magna cum laude“ doch recht gut zu bewerten.

Inhaltlich wären dabei an Karps Dissertation gleich mehrere der angestoßenen Themen mit deutlichen Fragezeichen zu versehen; hinzu kommt, dass diese sich m. E. auch nicht wirklich zu der von Weigel postulierten Möglichkeit einer Herleitung der später in „The Technological Republic“ entwickelten theoretischen oder weltanschaulichen Ansätze eignen. Letzteres wäre immerhin noch und auch nur denkbar, wenn man eine direkte Linie vom Dissertationsthema der „Aggression“ (in der Lebenswelt) zur Apologie (staatlicher) Gewalt der „Technological Republic“ ziehen wollte.

Eine solche, nur scheinbar existierende Linie ist bei Karp allerdings nur um den Preis der Akzeptanz einer sozialdarwinistisch wirkenden Ontologisierung – man könnte auch sagen falsch verallgemeinernden „Psychoanalisierung“[50] zu entdecken. Moira Weigel spricht davon, dass Karp den Begriff der Aggression „systematisiert“[51], was letztlich wohl bedeutet, dass der selbst bei Neurowissenschaftlern wie Lisa F. Barrett[52] heute auch gesellschaftlich und nicht rein individuell-psyschologisch gelesenen Aggressions- oder allgemeiner Emotionsbegriff bei Karp ins „Allgemein Menschliche“ hypostasiert ist.[53] Bei Karp wird nicht systematisiert, sondern eher (falsch) verallgemeinert, verdinglicht. Geschichtlich und sozial Bedingtes, Entstandenes wird als naturgegebene Seinskategorie betrachtet.

Eine direkte Linie gibt es bei Karp allerdings tatsächlich, aber die liegt innerhalb der Gedankengänge der Dissertation selbst und verbindet diese nicht mit „The Technological Republic“. Sie führt vom Aggressionsbegriff zu Adornos „Jargon der Eigentlichkeit“[54]. Wie Karola Brede im Interwiew erklärt: „Das Stichwort war vorab ‚Aggression‘, was auch Teil des Titels (der Dissertation, E. S.) ist, aber die Aggression geht eigentlich nur auf dem Weg über den Jargon in den Text ein“[55]. Das hat wohl auch Karp selbst so gesehen: „Aggression ist deshalb ipso facto die Kehrseite der Bindung, die Jargon verschafft“[56].

 

Eigentlichkeit und Jargon

Um Jargon geht es Karp also mehr noch als um Aggression. Auch den Begriff des Jargons versucht er dabei zu „systematisieren“[57] – in deutlicher Abgrenzung von Adorno, dem er aber immerhin attestiert, kreativ gewesen zu sein: „Adornos Jargonbegriff sprengt die gewöhnliche Definition. Er bezeichnet mehr als nur eine Verzerrung von Sprache, die eine Zugehörigkeit zu einer Schicht, einem Verein oder einem Kreis angibt. Er entfernt sich von der Wörterbuchdefinition und legt so den engen Horizont der gängigen Definition als völlig unzureichend bloß“.[58] „Äußerungen“ definiert Karp, „die offenkundig ihrem eigenen inhaltlichen Anspruch widersprechen“, haben „triebentlastende Wirkung“[59], um diese Definition dann auch bei Adorno zu „entdecken“: „In Anlehnung an Adorno nenne ich solche Äußerungen Jargon, Jargon ist nicht nur eine Lebenslüge, sondern eine Lebenslüge besonderer Art.“[60]

Das Problem ist nur, dass es Adorno, so jedenfalls habe ich ihn verstanden, gar nicht zuallererst um „Jargon“ bzw. um einen allgemeinen Begriff, eine allgemeine (systematisierte?) Definition von Jargon geht – eine Missinterpretation, in der Weigel übrigens Karp zu folgen scheint. denn auch sie spricht weitgehend nur vom generischen „Jargon“, Der aber wäre in dieser Perspektive wesentlich weiter zu fassen, als sie und Karp das tun: Beim  Adornoschen „Jargon der Eigentlichkeit“ geht es ja  – in klarer Frontstellung gegen den Phänomenologen Martin Heidegger (1889-1976)  – um einen spezifischen „Jargon“ der deutschen Nachkriegszeit[61], um einen, der es den alten Nazis und ihren Sympathisanten erlaubte, das Denken der braunen Vergangenheit, den zwischen 1933 und 1945 gepflegten Nazisprech, mehr oder weniger unauffällig und ungestört weiter zu kultivieren.

Eine um diese spezifische „Lebenslüge“, um die „Eigentlichkeit“ entleerte, systematisierte, i. e. verallgemeinerte Definition von „Jargon“ beraubt Adronos „Jargon der Eigentlichkeit“ nicht nur seines eigentlichen Inhalts, sondern vor allem seines kritischen Impetus. Das versucht Karp, dem die Gefahr durchaus bewusst gewesen zu sein scheint[62], zu verdecken, indem er postuliert, Adorno habe „seine Essays dichterisch konzipiert“[63] und betont: „Im Rahmen dieser Arbeit geht es mir darum, aus Adornos Arbeit ein Konzept der kulturellen und psychologischen Bedeutung von Jargon zu entnehmen, das analytische Züge hat und daher auch zur Analyse sozialer Verhältnisse herangezogen werden kann.“[64]

Um dann einer Art vorauseilender Entschuldigung anzuerkennen, dass das dann doch nicht mehr viel mit Adorno zu tun hat[65]: „Unabhängig von der Frage, ob ich Adorno in einer zulässigen Art und Weise auslege, hat diese Methode den Vorteil, dass ich dabei einen eigenen Jargonbegriff entwickele, der zwar auf Adornos Eindrücken basiert, jedoch bereits in einen anderen Begriffsrahmen überführt worden ist.“[66]

Dieser Heidegger-Adornosche Zankapfel „Eigentlichkeit“ ist dabei schon in sprachlicher Hinsicht kein leichter Terminus. Ins Englische besonders in philosophischen Texten gern als „authenticity“ bzw. „Jargon of authenticity“ übersetzt, unterschlägt dies, dass „authentic“ nur eine mögliche Übersetzungsvariante für das deutsche „eigentlich“ ist – andere, weniger heideggernde Möglichkeiten wären etwa „genuine“, „actually“, „really“, „in reality“, die jeweils recht unterschiedlich konnotiert sind.

In Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ ist „Eigentlichkeit“ so etwas wie ein Synonym von edler Wahrheit, authentischem Leben; Uneigentlichkeit bezeichnet dagegen fremdbestimmtes Leben, Selbsttäuschung, und wenn Adorno vom „Jargon der Eigentlichkeit“ spricht, dann drückt dieser Jargon, wie schon angedeutet, in Wahrheit nicht Eigentliches aus, sondern versteckt Uneigentliches, vulgo Nazisprech. Er ist keine Sprache der Selbstbestimmtheit, sondern eine der Fremdbestimmung, eine der Herrschaft der alten Kader, die – unter uns Älteren erinnert man das noch sehr gut – bis weit in die 1960er Jahre ganz und gar nicht entnazifiziert waren und in der neuen, sich demokratisch gebenden Bundesrepublik fast wie ehedem, zwischen 1933 und 1945 ihr Unwesen trieben.

Wie Karp den historischen Kontext, in dem der „Jargon der Eigentlichkeit“ sein Unwesen trieb, schönredet, ist streckenweise „sensationell“ und könnte – mit viel Fantasie – in ihrem Zynismus als die von Weigel angedeutete Linie von „Aggression der Lebenswelt“ hin zu „The Tecnological Republic“ gelesen werden. Die direkte Linie ist aber dann keine inhaltlich-theoretische, sondern eine des persönlichen Zynismus des netten Mr. Karp: „Es besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Jargon und den Normen und Werten der deutschen Kultur, die verpönte Handlung mit christlicher Moral vereinbar macht. Mit Hilfe von Jargon kann endlich agiert werden, obwohl dieses Agieren die Würde von anderen verletzt. Weil diese Handlung nicht vereinbar ist mit der Moral, die Jargon selbst immer wieder hochhält, kleidet er sich in die Form einer Volkskunde, an der sich jedermann selbstverständlich orientieren soll. Die aktive Befriedigung dieser aggressiven Bedürfnisse findet daher in einer Form statt, die als kulturell legitim angesehen wird.“[67] Der seines Kontexts entkleidete, ontologisierte „Jargon“ wird da umstandslos „eigentlich“ gelesen, der Herrschaftsanspruch der „alten Garde“ als moralischer Handlungsmaßstab der Nachkriegsrepublik heiliggesprochen. Es kann „endlich“ agiert werden.

 

 Techno-Zynismus

Womit wir endlich – nach einigen Umwegen – beim eigentlichen Gegenstand dieser Rezension wären: bei „The Technological Republic“, das laut Karp vier Fragenkomplexe behandelt[68], und den vor wenigen Monaten auf „X“ daraus destillierten „22 Thesen“, in denen Karp den eingangs zitierten Kritikern zufolge seinen techno-faschistischen oder techno-feudalistischen Sündenfall zu Papier gebracht hat. Es sind die beiden Publikationen, die viele Kritiker mit (politischem) Schaum vor dem Mund kommentieren.

Karp ontologisiert, verdinglicht, hypostasiert ins „Allgemein Menschliche“, hatte ich zu seiner Dissertation angemerkt, und Moira Weigel hatte an dem, was sie „Systematisierung“ nannte, versucht, eine Linie von der Karpschen „Aggression“ zur „Technological Republic“ zu ziehen. Die Tatsache, dass Karp Aggression im gesellschaftlichen Kontext nicht nur negativ sieht, sondern ihr eine gesellschaftlich stabilisierende Rolle beimisst, taugt allerdings nicht zur Begründung für die kruden und teilweise wirren Theorien der beiden Publikationen. Eine solche Annahme wäre, auch wenn das paradox klingen mag, schon fast zu viel Ehre für die dünne, ideologische Mixtur, die Karp in seinem Buch auftischt.

Eine solche direkte Linie vom Thema „menschliche Aggression“ zu dem staatlicher Gewalt nach innen oder außen ziehen zu wollen, beraubte den Menschen seiner Emotionen, den Staat seiner Organisationsformen und seiner Geschichte. Es hieße letzendlich, staatliche und individuell-menschliche Aggression zu verwechseln, beide ihrer Spezifika und, auch das stünde im Widerspruch zu dem, was Karp postuliert, einer möglichen Legitimation zu entkleiden.

Dass Karp solchen Widersprüchlichkeiten und Verallgemeinerungen erliegt, zeigt sich in den beiden Publikationen wiederholt. Am gravierendsten – im Sinne einer humanen Gesellschaftstheorie – ist dabei die Werteumkehr, mithilfe derer Karp die Wahl der Mittel – in einem Wort: Gewalt – vor die Wahl der Ziele setzt. „Bevor man sich der Frage zuwendet, ob eine Politik gerecht oder ungerecht ist, muss man sich darüber im Klaren sein, welchen Einfluss man in einer – bewaffneten oder nicht bewaffneten – Verhandlung hat beziehungsweise nicht hat.“[69] Und wer daran zweifelt, dass Karp der Festlegung auf Gewalt Priorität gegenüber der Festlegung auf Gesellschaftsformen und gesellschaftliche Ziele einräumt, dem hilft der Palantir-CEO in seinen 22 Thesen auf die Sprünge: Weil „soft power“ für ihn Grenzen hat, schließt er. „… it requires hard power”, es bedarf harter, im Klartext repressiver, ja militärischer Gewalt.[70]

Abzuleiten versucht er die Notwendigkeit solcher Gewalt aus einer merkwürdig verzerrten Sicht auf die Geschichte, nicht, wie man es vermuten könnte, wenn man Moire Weigel folgt, aus seinem „systematisierten“, ontologisierten Aggressionsbegriff, der er erübrigt, dass man sich mit der Geschichte beschäftigt. „American power has made possible an extraordinary long peace”[71] heißt es da, und „No other county in the history of the world has advanced progressive values more than this one[72]. Karp schwelgt in solchen ahistorischen Beschreibungen und bedauert folgerichtig „die gegenwärtige Herangehensweise bei internationalen Angelegenheiten“[73], vulgo den Mainstream, dass er glaube „die Richtigkeit der eigenen Ansichten in moralischer oder ethischer Hinsicht (befreie) einen vom Zwang …, sich mit der … Frage der relativen Macht … zu beschäftigen und zudem vom Nachdenken darüber, welche Seite eine überlegene Fähigkeit hat, dem anderen Schaden zuzufügen. Dieses Wunschdenken der gegenwärtigen Strömung und vieler ihrer politischen Führungsfiguren mag schlussendlich zu deren Ruin führen.“[74]

Wie solche Thesen in Einklang zu bringen sind mit der langen Blutspur, die sich von Vietnam über Kuba, den Irak und Afghanistan – um nur einige wenige Beispiele zu nennen – zieht, bleibt das Geheimnis Karps. Diese Blutspur dann gleich noch gar in eine Friedensgeschichte umzuschreiben, verrät denselben Zynismus, den ich schon in Karps Dissertation als mehr als nur störend empfand. Es ist vielleicht richtig, dass keiner der Kriege, in denen die USA involviert waren, das amerikanische Mainland berührte, dass „billions of people … have never known a world war“[75], aber was ist mit den Abertausenden Amerikanern, die in den letzten 70, 80 Jahren in den vielen der von den USA überall auf dem Globus vom Zaun gebrochenen Kriegen fielen? Was mit den Tausenden Opfern des früheren US-Zöglings Bin Laden von 9/11? Mit den Opfern von CIA-Operationen wie der in Chile?

Auch das bei vielen US-Präsidenten von Clinton über Obama bis Trump beliebte Narrativ, das besagt, die USA haben viel, Europa sehr wenig in die Verteidigung der Freiheit investiert, findet sich bei Karp wieder: „Jahrzehntelang gaben die USA zwischen 3 und 5 Prozent ih­res Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Verteidigung aus, während die Militärausgaben der Europäischen Union im gleichen Zeitraum bei etwa 1,5 Prozent stagnierten.“[76]

Nur! Wer einer notwendigen „Verteidigung“ das Wort redet, sollte nicht verschweigen, dass die Ausgaben der USA für militärische „hardware“ oder „hard power“[77] wie auch die Zahl der Menschen unter Waffen in Angriffs-, nicht etwa in Verteidigungskriegen besonders hoch waren: Die gesamten Militärausgaben der USA betrugen zwischen 1960 und 1970, in der Zeit des Vietnamkriegs, wie auch in  den 1980ern und 1990ern (Golfkriege) und um 2010 herum bis zu acht oder neun Prozent des BIP. Die meisten  Soldaten zählten die US-Streitkräfte in den Zeiten ihrer „Engagements“ in Vietnam, im Irak und in Afghanistan[78] – alle außer vielleicht dem letztgenannten auch mit viel gutem Willen nicht als Verteidigungsoperationen, sondern eher als Angriffs- oder Bestrafungsfeldzüge erkennbar. Rechnet man diese Kriege heraus, bleibt wohl für die „Verteidigung der Freiheit“ nicht allzu viel übrig, ist der „Vorsprung“ der USA nicht mehr allzu groß. Neu sind solche moralischen Umwidmungen allerdings nicht, sie entsprechen einem vor allem auf der Rechten verbreiteten Opfernarrativ, dessen vielleicht „folgenreichste“ Version die der Nazis zur Begründung ihres Überfalls auf Polen am Beginn des Zweiten Weltkriegs war.

Wenn Karp kritisiert, die „‚Wunderkinder‘ des Silicon Valley“[79], dessen Unternehmer und Ingenieure, die er mal als (linke) Eliten[80], dann wieder als Protagonisten eines Zeitalters der „… der Social-Media-Plattformen und Essenslieferung-Apps … “[81] ins Lächerliche zu ziehen versucht, Eliten, die sich ihm zufolge „… weiger(te)n …, den Staat zu unterstützen, dessen Schutz – ganz zu schweigen von dessen Bildungseinrichtungen und Kapitalmarkt – die notwendigen Bedingungen für ihren Aufstieg schuf“[82], dann hängt er nicht nur einem Staatsbegriff an, der selbst hinter den des deutschen Philosophen G.W. F. Hegel (1770-1831) aus dem beginnenden 19. Jahrhundert noch zurückfällt[83]. Er widerspricht auch seinem eigenen Gemeckere gegen die Bildungseinrichtungen, die ja, auch das unterschlägt er, wie auch der Kapitalmarkt in den USA zum großen Teil gar nicht staatlich, sondern privat-(wirtschaftlich) organisiert sind. Ganz abgesehen davon, dass er auch unterschlägt, wie perfekt etwa die Gesichtserkennungs-Apps aus den Software-Schmieden dieser Spielzeug- und Essensliefer-Apps nicht wenigen Staaten dieser Welt ihr Überwachungs-„Spiel“ deutlich erleichtern.

Dass in demokratischen Gesellschaften, denen er zumindest noch Lippenbekenntnisse[84] widmet, nicht der Staat, sondern das Volk der Souverän ist, dem der Staat zu dienen hat, scheint ihn genauso wenig zu interessieren, wie die Tatsache, dass der Staat nicht identisch ist mit der Exekutive – Legislative und Judikative gehören, oft sogar in Diktaturen, zumindest formell genauso dazu. Dabei beruft er sich paradoxerweise immer wieder auf den „Westen“ als seine ideologische Heimat: „Für den Westen ist der Moment gekommen, um Bilanz zu ziehen. Unsere nationalen Ambitionen und das Interesse am Potenzial von Wissenschaft und Technologie haben abgenommen, …“[85], was die Frage aufwirft, mit welcher Berechtigung er, die Formulierung suggeriert das, den Westen mit der US-amerikanischen Nation synonym setzt: „Dies war das amerikanische Jahrhundert, …(die) Fortsetzung des nationalen Projekts, das nicht nur den Schutz von US-Interessen mit sich brachte, sondern die Gesellschaft, und die Zivilisation insgesamt, auf eine neue Stufe hob.“[86] Was wiederum im Widerspruch zu Passagen steht, in denen er die USA gemeinsam mit Europa als Teil dieses Westens definiert.[87]

 

West-Ost-Mystik

Diese Gleichsetzung schafft Karp nur, indem er diesen „Westen“ nicht als Wertegemeinschaft inhaltlich bestimmt, wie das gemeinhin akzeptiert scheint, sondern eher als kriegerisch-nationale Volksgemeinschaft – kriegerischer jedenfalls, als es gemeinhin mit den Begriffen Demokratie und Liberalismus assoziiert wird. Dieser „Westen“ bestimmt sich inhaltlich aus seiner Gegenüberstellung mit dem „Osten“ alias dem „Orient“, eine Gegenüberstellung, die genauso falsch und verkürzend verallgemeinert, wie wir das bereits in der Dissertation gesehen hatten.

Den Begriff (des „mysteriösen“) „Orient(s)“ zieht Karp aus seiner Kritik[88] am Orientalismuskonzept des amerikanisch-palästinensischen Literaturtheoretikers Eward Said (1935-2003), der gegen Ende der 1970er Jahre[89] in den westlichen Gesellschaften einen eurozentristischen Blick auf den Nahen Osten als „Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient“[90] diagnostizierte, der sich „durch die ungebrochene Tradition einer tief sitzenden Feindseligkeit gegenüber dem Islam aus(zeichne)“[91].

Wer sich wundert, dass Karp Saids Thesen überhaupt kennt und zur Kenntnis nimmt, der sei „beruhigt“, denn „Neo-Marxist“ Karp schafft es erneut im Handumdrehen, die Auseinandersetzung mit Said auf das von ihm inzwischen bekannte schale und dünne Niveau herunterzuziehen. Bestes Beispiel dafür ist eine kleine Grafik, in der Karp mit Zahlen von 1913 die Überlegenheit des Westens durch einen Vergleich der Produktivität in den westlichen Ländern („Mutterländer“) mit der im Orient („Besitzungen“) zu demonstrieren glaubt[92]. Selbst wenn man unterstellt, dass diese Grafik die Verhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts numerisch korrekt wiedergibt, ist sie ahistorisch (wir sind wieder beim Ontologisieren) und im Grund aussagelos, weil sie verschweigt, was sich in den Jahrhunderten vor 1913 zwischen „Mutterländern“ und „Besitzungen“ abspielte: Kolonialkriege, Dreieckshandel und Sklaverei, asymmetrische Handelsbeziehungen, Ausbeutung und Raub der Rohstoffe, alles im Prinzip zum Schaden der Besitzungen, und die Liste ließe sich wahrscheinlich noch eine ganze Weile fortsetzen.

Es gibt in der Literatur unzählige Beispiele dafür, dass sich „Besitzungen“ wie etwa Indien zum Zeitpunkt der Inbesitznahme in technologischer Hinsicht – Ausnahme das Militär – auf einem ähnlichen Entwicklungsstand befanden wie das jeweilige „Mutterland“, in diesem Fall wie England. Wollte man es zuspitzen, könnte man sagen, dass der einzige Vorsprung der „Mutterländer“ gegenüber den „Besitzungen“ in einer vielfach überlegenen militärischen Schlagkraft bestand, und wenn ich Karp richtig verstehe, ist das für ihn auch ein Grund tiefer Befriedigung, „untermauert“ es doch seinen Standunkt von der Priorität der militärischen Gewalt über die gesellschaftliche. Und betont, ganz wie die Neue Rechte hierzulande, es herrsche „Unbehagen in unserer Kultur angesichts dieser (seiner, E. S.) Wahrheit“[93]. Natürlich träumt er auch davon, dass sein geliebter „Westen“ auch weiterhin in diesem Sinne, also militärisch, auf der Welt dominant bleibe.

Es ist die Karpsche Version des sattsam bekannten „Man muss das doch mal sagen dürfen!“, hier umformuliert in „Die Fähigkeit, eine Aussage auf ihren faktischen Gehalt hin zu überprüfen und dabei die eigenen Ansichten über ihre Bedeutung oder die eigene Meinung ‚zur Identität des Sprechers‘ außen vor zu lassen … ist in allzu vielen von uns verkümmert.“[94] Fakten, das sei hier nur knapp festgehalten, zu benennen, ohne sie in ihren Kontext zu stellen, geht allerdings genauso weit an wirklicher Erkenntnis vorbei, wie Fakten zu ignorieren.

Letzteres gilt auch für die Kritik an Karp und seiner „Technological Republic“. Es ginge an der Wahrheit vorbei, würde man bestreiten, dass er auch diskussionswürdige Thesen aufstellt, die aber von den Kritikern weithin ignoriert werden. Dazu gehört ohne Zweifel die Kritik an der Haltung des Westens am Ende des Kalten Krieges, eine Haltung, die am radikalsten kurz vor dem Fall der Mauer 1989 von dem amerikanischen Politologen Francis Fukuyama formuliert wurde. Dessen These vom „Ende der Geschichte“ bezog sich auf den Zusammenbruch der UdSSR und mit ihm der des gesamten „Ostblocks“ und behauptete, damit könne man Marktwirtschaft und Demokratie zu endgütigen Siegern dieser Geschichte erklären. Wie Wikipedia resümiert: „Mit dem Sieg dieses Modells ende der Kampf um Anerkennung und es entfalle das Antriebsmoment der Geschichte“[95]. Diese These war nicht nur schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung schlichtweg lächerlich – vor allem deshalb, weil sie die (Menschheits-)Geschichte auf die des Kalten Krieges reduzierte –, sie erwies sich darüber hinaus auch spätestens mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine als definitiv obsolet.

Karp seziert diese Illusion durchaus treffend und zieht daraus die Lehre: „Die Sieger der Geschichte haben die Angewohnheit, zum genau falschen Moment selbstgefällig zu werden“[96], zeigt aber direkt im Anschluss, dass er sich ein solches Ende der Geschichte, bei ihm wohl ein Sieg über den „Orient“, vielleicht durchaus gewünscht hätte: „Das Risiko besteht jedoch in unserer Überzeugung, wir hätten bereits gewonnen.“[97]

Auch die Forderung, das Silicon Valley müsse eine wichtige Rolle in der Bekämpfung krimineller Gewalt spielen („ … Silicon Valley must play a role in addressing violent crime”) könnte beim einen oder anderen der Karp-Kritiker sogar durchaus auf Zustimmung stoßen, und dass die andere große Illusion vergangener Jahrzehnte, die vom „Wandel durch Handel“, der Wirklichkeit nicht lange standhalten konnte, haben wir alle lernen müssen. Sachlich ist jedenfalls an Karps Beschreibung nicht viel auszusetzen: „Das Establishment der US-amerikanischen Außenpolitik hat sich im Umgang mit China, Russland und anderen wiederholt verkalkuliert, wenn es davon ausging, dass schon allein das Versprechen, diese Staaten wirtschaftlich einzugliedern, ausreichen würde, um die Führungen dieser Nationen im Inland zu delegitimieren und ihr Interesse an militärischer Eskalation im Ausland zu verringern. … Die Journalistin und Historikerin Anne Applebaum erinnert uns zu Recht daran, dass eine ‚natürliche liberale Weltordnung‘ nicht existiert, trotz all unserer inbrünstigen Hoffnungen, und dass ‚es keine Regeln gibt ohne jemanden, der sie auch durchsetzt‘. Xi und andere sicherten sich eine Machtposition und üben sie auf eine Art und Weise aus, die die meisten der aktuellen politischen Führungsfiguren im Westen nie verstehen werden. Und der Fehler besteht darin zu hoffen, dass autoritäre Regime, nähern wir uns ihnen nur dicht genug an und ermutigen sie ausreichend, irgendwann von selbst ihren Fehler erkennen würden“[98].

Diese, zumindest auf den ersten Blick durchaus bedenkenswerten Thesen dürfen allerdings den Blick auf den wirren Rest der Karpschen Schriften nicht verstellen. Es sind vereinzelte Äußerungen, die im Zusammenhang mit dem wirren Rest zu lesen sind; in diesem finden sich dann etwa auch immer wieder Ansätze eines merkwürdigen Kreuzzugs nach „innen“, gegen die Kollegen der eigenen Branche – vor allem die des kalifornischen Silicon Valley. Es sind die Äußerungen, die wahrscheinlich einige der Kritiker zu ihrem Verdikt veranlasst haben könnten, bei „The Technological Republic“ handele es sich um nicht mehr als um eine Werbebroschüre für Palantir.

Bereits in der Beschreibung des Ziels seiner Arbeit gibt Autor Karp an, eine „Diskussion darüber anstoßen“[99] zu wollen, „… welche Rolle das Silicon Valley bei der Verbesserung und Neuerfindung eines nationalen Projekts spielen“ könne[100]. Aufgangspunkt der Überlegung und zentraler Vorwurf lauten dabei, die Tech-Ingenieure des „Valley“ hätten sich in der jüngeren Vergangenheit nur um Konsumgüter gekümmert, „… anstatt Projekte anzuschieben, die unsere umfassendere Sicherheit und unseren Wohlstand betreffen“[101]. Insbesondere der Heimcomputer hat den Zorn Karps auf sich gezogen, gilt ihm als Sündenfall des Silicon Valley.[102]

Karps Kritik an dem, was er die „Produktisierung“ der Gesellschaft, des „amerikanischen Geistes“, wie er es nennt, könnte dabei sogar als diskussionswürdige Kulturkritik durchgehen, wäre da nicht die auf ihr fußende, merkwürdig mystische und an den deutschen Philosophen der Frankfurter Schule, Karl-Heinz Haag, erinnernde Hinwendung zur Religion[103], zur „organisierte(n) Religion“[104], wie Karp sie nennt, und wie er sie gegen diese, aus dem Silicon Valley kommende „Produktisierung“ verteidigen will: „Was macht diese Nation aus? Was sind unsere Werte? Und wofür stehen wir ein? Diese große Säkularisierung von Amerika in der Nachkriegszeit haben viele Linke – ob privat oder öffentlich – mit Jubel bedacht, weil sie es als einen Sieg der Inklusion betrachteten, Religion systematisch aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Und in diesem Sinn war es tatsächlich ein Sieg. Der Angriff auf die Religion hatte freilich zur unbeabsichtigten Folge, dass der Raum für den Glauben überhaupt ausgelöscht wurde – jeder Raum, um Werten oder normativen Vorstellungen dazu Ausdruck zu verleihen, wer wir als Nation waren oder werden sollten. Die Seele des Landes stand auf dem Spiel, aufgegeben im Namen der Inklusivität. Das Problem dabei ist, dass Offenheit gegenüber allem oftmals im Glauben an nichts besteht.[105]

 

Fragwürdige Betbrüder

Eines solchen Glaubens, davon ist Karp überzeugt, bedarf auch sein Nationenbild, und er bedauert zutiefst dessen angebliche Abwesenheit in der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft, will wissen, dass in die „… große Säkularisierung von Amerika in der Nachkriegszeit … viele Linke – ob privat oder öffentlich – mit Jubel bedacht (haben), weil sie es als einen Sieg der Inklusion betrachteten, Religion systematisch aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. „Wenn“ aber „die gegenwärtige Kulturelite ihren Angriff auf die organisierte Religion fortsetzt, was bleibt dann übrig, um den Staat zu erhalten?“[106]

Wie auch an anderen Stellen, drängt sich beim Thema Religion der Eindruck auf, dass Karp seine Theorien – wenn dieser Terminus überhaupt angebracht ist – würfelt. Das gilt auch für Passagen, in denen er versucht, die Schuldige(n) für die „Siliconische“ Gottlosigkeit festzumachen. In diesem Fall trifft es die amerikanische (Kultur)Anthropologin Ruth Fulton Benedict (1887-1948). Sie sei, so Karp, verantwortlich dafür, dass nicht-amerikanische Kulturen „einer moralischen oder ethischen Bewertung“[107]entzogen worden, das Silicon Valley zum Produkt eines kulturellen und moralischen Agnostizismus verkommen sei.

Es ist eine mehr dieser zweifelhaften „Analysen“. Amerika, die USA, ein Land ohne Religion? Und was ist mit den christlichen Sekten, von denen einige auch vor der mörderischen Jagd auf Abtreibungsärzte nicht zurückschrecken, andere die Vielweiberei erlauben und wieder andere sich damit „begnügen“, die Evolutionstheorie durch eine religiöse Schöpfungsgeschichte ersetzen zu wollen? Was mit vom Staat und seinen Organen zelebrierten Religionsbekenntnissen? Mit einem Präsidenten Trump, der sich gerne seiner evangelikalen Unterstützer rühmt  – um nicht von Überzeugungen zu sprechen, die Trump eher nicht hat?

Zu den merkwürdigen geistigen Achterbahnfahrten Karps gehört auch seine etwas skurrile Kritik an der Marktwirtschaft – ja, genau an jener Marktwirtschaft, die ihn so exzellent alimentiert. Man ist versucht, ihn einen regelrechten Markthasser zu nennen. Gleich zu Beginn heißt es in der „Technological Republic“: „Der Markt ist eine mächtige Zerstörungsmaschine. Er vernichtet nicht zuletzt auch Kreativität, versagt jedoch häufig dabei, im richtigen Moment das zu liefern, was am dringendsten gebraucht wird“[108]. Ob er wirklich nicht merkt, dass er damit im Widerspruch zu seiner eigenen, idolatrisierten amerikanischen Nation steht, die natürlich vor allem auf dieser Marktwirtschaft basiert, nicht, wir Karp es zu unterstellen scheint, auf der Macht der staatlichen Exekutive.

Schon im Vorwort hieß es, offensichtlich bedauernd: „Der Staat strebt nicht länger nach der Art von umfassendem Durchbruch, der für die Atombombe und das Internet sorgte, und überlässt die Aufgabe, die nächste Welle an wegweisenden Technologien zu entwickeln, dem Privatsektor – eine bemerkenswerte und fast vollständige Vertrauenssetzung in den Markt. Das Silicon Valley kümmert sich in der Zwischenzeit nur um sich selbst und konzentriert seine Energie auf einen kleinen Bereich von Konsumgütern, anstatt Projekte anzuschieben, die unsere umfassendere Sicherheit und unseren Wohlstand betreffen“[109]. In den 22 Thesen fordert Karp dann: „We should applaud those who attempt to build where the market has failed to act.”[110]

Was den Leser mit der Aufgabe allein lässt, in diesem wirren Potpourri der Schuldzuweisungen herauszufinden, wer denn nun wirklich der Schurke ist, der Staat oder die Tech-Elite(n). Summa summarum scheint jedenfalls Karps Abscheu gegenüber den eigenen „Kollegen“ aus der Tech-Branche größer: „Eine Generation von Programmiererinnen und Programmierern ist weiterhin bereit, ihr Arbeitsleben der Befriedigung der Bedürfnisse der kapitalistischen Kultur zu widmen und sich dabei selbst zu bereichern“[111] klingt gar nicht „Neo“, sondern an dieser Stelle fast altmarxistisch. Und deshalb muss es auch nicht wundern, dass die eine oder andere Stelle so wirkt, als habe Karp fast Mitleid mit dem Staat und seinen „Dienern“, deren Entlohnung – wie auch die der Politiker – er lächerlich niedrig[112] findet.

Nein, die „Technological Republic“ ist kein „Mein Kampf“, sein Autor kein (Techno-)Faschist oder Feudalist , obwohl man diesen Verdacht hegen könnte, wenn Karp in bestem Nazi-Sprech von den „nächsten Tausend Jahre(n)“[113] schwafelt. Man kann sich nur wundern, dass ausgerechnet der schrecklich nette Alexander Karp, der aus seiner jüdischen Herkunft kein Geheimnis macht, zu solcherart belasteten Plattitüden greift.

Mit ihrer Widersprüchlichkeit, ihrem Zynismus und ihrer streckenweise unübersehbaren Inhaltsleere, über die auch lange Passagen „Erzähl‘sches“, Möchtegern-Biografisches, das nichts zum Karpschen Argumentationsstrang beiträgt, nicht hinwegtäuschen können[114], wäre die „Technological Republic“ substanziell uninteressant. Man müsste sie, frei nach Karl Valentin, nicht mal ignorieren. Wäre, ja wäre da nicht sein (Haupt-)Autor, einer der bestbezahlten Tech-Manager rund um den Globus, dessen Firma mit ihrer Software auch Diktatoren und Autokraten für ihr Überwachungs- und Repressionsspiel ertüchtigt. Und wären da nicht die Namen Jürgen Habermas und Frankfurter Schule, derer sich nicht nur der Autor immer wieder, berechtigter- oder unberechtigterweise, gerne bedient, sondern die auch in den Medien hierzulande mehr als die eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung für Aufregung und hektische Betriebsamkeit sorgten.

 

 

Bibliographische Angaben

Karp, Alexander C. mit Nicholas W. Zamiska, The Technological Republic – Über die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens, München 2025

 

Leseempfehlungen

 

Adorno, Theodor W., Jargon der Eigentlichkeit / Zur deutschen Ideologie, Frankfurt 1964

ARD-Aktuell/tagesschau.de, Von „Techno-Faschismus“ und Milliardengeschäften, tagesschau.de 2026

Barrett, Lisa Feldman, How Emotions Are Made – The Secret Life of the Brain, 2017

Brühl, Jannis, Palantir ruft zur Verteidigung der USA auf, Süddeutsche Zeitung 21.4.2026

Business Punk, Alex Karp: „Palantir ist das wichtigste deutsche Unternehmen der Welt“, business-punk.com 2026

Business Insider, Die Geschichte von Peter Thiels mysteriöser Datenfirma, businessinsider.dom 2020

Buzmaniuk, Stefanie, War der Palantir-Gründer Alexander Karp wirklich ein Schüler von Jürgen Habermas? Ein Gespräch mit seiner Dissertationsgutachterin Karola Brede, legrandcontinent.eu 2026

Coeckelberg, Mark, Palantir’s Manifesto: Technofascism in plain sight, medium.com 2026

Ebelt, Friedemann, Warum der Palantir-Post kein Manifest ist, campact.de 2026

Ehl, David, Palantir-Manifest: Kommt nun der „Techno-Faschismus“?, dw.com 2026

Gabel, Tim, Die Tech-Eliten und Trump: Warum Palantirs Manifest ein Symptom für den Rechtsruck der US-Techkonzerne ist, table.media 2025

Hautkapp, Dirk, Wenn Tech-Eliten die Demokratie ersetzen wollen, in: Hamburger Abendblatt 27.4.2026

Heidegger, Martin, Sein und Zeit, 1926

Hesse, Michael, Alex Karp und Palantir: Krieg der Steine, fr.de 2025

Huhnholz, Sebastian, Das Ende der Habermas’schen Öffentlichkeit – Ein Nachruf auf Jürgen Habermas, soziopolis.de 2026

Karp, Alexander C., Aggression in der Lebenswelt – Die Erweiterung des Parsons‘schen Konzepts der Aggression durch die Beschreibung des Zusammenhangs von Jargon, Aggression und Kultur, Frankfurt 2002

Karp, Alexander C., My Time with Jürgen Habermas, Europe’s ‘Last Intellectual”, politico.com 2026

Moll, Sebastian, Philosoph des Cyberkriegs – Wie Palantir-Chef Alex Karp, der Neu-Marxist des Silicon Velley, mit KI, Militär und Big Data die Welt neu gestaltet, juedische-allgemeine.de 2025

Neumann, Peter, Alex Karp – Die neue Aufklärung, zeit.de 2024

Palantir Tech, Because we get asked a lot – The Technological Republic, in brief, x.com/Palantir 2026

Standard, Der, Palantir-Manifest: Zwischen Allmachtsfantasie und Techno-Faschismus, derstandard.de 2026

Supp, Eckhard, Dialektik und Staatsrecht in der Hegelschen Philosophie des Rechts, Frankfurt 1974, enos-mag.de 2026

Supp, Eckhard, Falsch abgebogen – Viel Positives fürs Negative, enos-mag.de 2025

Supp, Eckhard, Fremder, quo vadis? – Erkenntnistheoretische Überlegungen zum kulturkonfrontativen Denken, enos-mag.de 2024

Supp, Eckhard, Vom Ende der Traumzeit – Australiens Aborigines, enos-mag.de 2026 (1985)

Tricarico, Tanja, Geschäftsmodell Kontrolle, taz.de 2026

Varoufakis, Yanis, Palantir and the New Order: Neoliberalism is dead. Say hello to Techlordism, countercurrents.org 2026

Weigel, Moira, Palantir Goes to the Frankfurt School, boundary2.org 2020

Wikipedia, „ Ende der Geschichte“, de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia, „Orientalismus“, de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia, „Palantir Technologies“, de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia, „Technofeudalismus“, de.wikipedia.org/wiki

[1] Karp, Alexander C. mit Nicholas W. Zamiska, The Technological Republic – Über die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens, München 2025.

[2] Palantir Tech, Because we get asked a lot – The Technological Republic, in brief, x.com/Palantir 2026.

[3] Tricarico, Tanja, Geschäftsmodell Kontrolle, taz.de 2026.

[4] ARD-Aktuell/tagesschau.de, Von „Techno-Faschismus“ und Milliardengeschäften, tagesschau.de 2026.

[5] Business Punk, Alex Karp: „Palantir ist das wichtigste deutsche Unternehmen der Welt“, business-punk.com 2026.

[6] Coeckelberg, Mark, Palantir’s Manifesto: Technofascism in plain sight, medium.com 2026.

[7] Ehl, David, Palantir-Manifest: Kommt nun der „Techno-Faschismus“?, dw.com 2026.

[8] Standard, Der, Palantir-Manifest: Zwischen Allmachtsfantasie und Techno-Faschismus, derstandard.de 2026.

[9] Gabel, Tim, Die Tech-Eliten und Trump: Warum Palantirs Manifest ein Symptom für den Rechtsruck der US-Techkonzerne ist, table.media 2025.

[10] Varoufakis, Yanis, Palantir and the New Order: Neoliberalism is dead. Say hello to Techlordism, countercurrents.org 2026.

[11] Hesse, Michael, Alex Karp und Palantir: Krieg der Steine, fr.de 2025.

[12] Brühl, Jannis, Palantir ruft zur Verteidigung der USA auf, Süddeutsche Zeitung 21.4.2026.

[13] Hautkapp, Dirk, Wenn Tech-Eliten die Demokratie ersetzen wollen, in Hamburger Abendblatt 27.4.2026.

[14] Moll, Sebastian, Philosoph des Cyberkriegs – Wie Palantir-Chef Alex Karp, der Neu-Marxist des Silicon Valley, mit KI, Militär und Big Data die Welt neu gestaltet, juedische-allgemeine.de 2025.

[15] Ehl, D., a. a. O.

[16] Coeckelberg, M., a. a. O.

[17] vgl. Ehl, D., a. a. O.

[18] ARD-Aktuell/tagesschau.de, a. a. O.

[19] Varoufakis, Y. , a. a. O.

[20] Wikipedia, „Technofeudalismus“, de.wikipedia.org/wiki.

[21] Ebelt, F. 2026.

[22] Ebelt schreibt diesbezüglich: „Andere Kommentare reagieren kämpferisch mit rhetorischer Gegengewalt, mit Spott und Beleidigungen. Die Konstruktion des Feindes funktioniert.“ (ebda.)

[23] Hesse, M., a. a. O.

[24] Coeckelberg, M., a. a. O.

[25] („offen demokratiefeindlich“), ebda.

[26] Karp, A., a. a. O., 11 f.

[27] vgl. Hesse, M., a. a. O. („Er selbst definiert sich als Progressiver, aber nicht als ‚woke‘.“)

[28] vgl. Moll, S. , a. a. O. („… der Neo-Marxist des Silicon Valley …“)

[29] Supp, Eckhard, Falsch abgebogen – Viel Positives fürs Negative, 2025

[30] Brühl, J., a. a. O.

[31] ebda.

[32] (“Mit ihren Verbindungen zur Staatsmacht – besonders zu Trumps Regime – ist das Ziel [der Leute von Palantir] Machtzuwachs.“), Coeckelberg, M., a. a. O.

[33] ARD-Aktuell/tagesschau.de, a. a. O.

[34] vgl. Karp, A., a. a. O., 63 ff. Da heißt es, ganz im Stil eines Hochglanzprospekts: „Palantir entwickelt Software- und KI-Systeme für das Militär und die Nachrichtendienste in den Vereinigten Staaten und verbündeten Ländern überall in Europa und der Welt. Unsere Arbeit war umstritten, und unsere Entscheidung, Produkte zur Steuerung offensiver Waffensysteme herzustellen, stößt gewiss nicht überall auf Zuspruch. Aber ungeachtet der Kosten und Komplikationen haben wir eine Wahl getroffen.“ (Karp, A., a. a. O., 81

[35] Hautkapp, D., a. a. O.

[36] Business Insider, a. a. O.

[37] Weigel, M., Palantir Goes to the Frankfurt School, 2020. Der Titel ihres Essays suggeriert bereits einen solchen Zusammenhang, der dann allerdings im Text nur schwer nachzuvollziehen ist.

[38] An diesem Fachbereich war ich knapp 20 Jahre vor Karp promoviert worden, kennenlernen konnte ich ihn, anderes als einige meiner einstigen Kommilitonen, nicht. Letztere erinnern Karp als einen „eigentlich“ ganz netten Kerl, ohne über besondere wissenschaftliche Leistungen von seiner Seite zu berichten.

[39] Neumann, P., 2025.

[40] „Ja, am Anfang konnte er kein Deutsch, aber nach einem halben Jahr war das Schlimmste vorbei.“ (Buzmaniuk, S., 2026)

[41] vgl. etwa Karp, A., 2002, 17 („… Kategorien, die uns instand setzen…“)

[42] Neumann, P, a. a. O.

[43] Buzmaniuk, S., a. a. O.

[44] Karp, A., 2026 („Meine Zeit mit Jürgen Habermas, Europas letztem Intellektuellen“)

[45] ebda („Mein erstes Treffen mit J. H.“, „… ich war gerade in Frankfurt am Main angekommen …“, „Ich schrieb einen Brief an Habermas …”).

[46] ebda („Meine Professoren … führten mich in intellektuelle Traditionen vom Pragmatismus und Pxychoanalyse bis hin zur Frankfurter Schule ein, J. H. inbegriffen.“) Manchmal nimmt die Darstellung dieser Beziehung bei Karp richtiggehend humoristische Züge an: „My impression of Habermas that would develop over the years through dozens of meetings in the 1990s … was that he had a certain reverence, perhaps undisclosed to or at least shielded from subsets of his colleagues, for the American project – our quite radical experiment in this new republic building …” (ebda). Der des Deutschen kaum mächtige amerikanische Student, der Habermas‘ „Ehrfurcht“ vor seinem „amerikanischen Projekt“ entdeckt, eine Ehrfurcht, die Habermas bis dahin selbst vor einem Teil seiner Kollegen hatte „verstecken“ können? Sic!

[47] ebda („… he had become … the world’s most significant and influential living philosopher.”)

[48] Huhnholz, Sebastian, Das Ende der Habermas’schen Öffentlichkeit – Ein Nachruf auf Jürgen Habermas, soziopolis.de 2026

[49] Buzmaniuk, S., a. a. O.

[50] Vgl. Karp, A. 2002 („Die positive Soziologie neigt dazu, Aggression in Formen abweichenden Handelns zu übersetzen. Dadurch werden aggressive Komponenten menschlicher Handlung ihrer triebhaften Qualitäten entledigt.“)

[51] Weigel, M., a. a. O. („… by attempting to render critical theoretical concepts ‚systematic’”) Der Duden versteht “systematisieren” übrigens so: „Das Verb systematisieren bedeutet, etwas in ein System zu bringen, nach einem bestimmten Ordnungsprinzip zu gliedern und aufzubauen. Es stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert.“ (Duden.de)

[52] Barrett, L. F., How Emotions Are Made – The Secret Life of the Brain, 2017, vgl. auch Supp, E., Fremder, quo vadis? – Erkenntnistheoretische Überlegungen zum kulturkonfrontativen Denken, 2024

[53] Karp, A., 2002, 66 f. Bizarr, dass Karp Habermas genau das vorwirft, was er selbst veranstaltet: „Meine Rekonstruktion von Adornos Text geht von der Annahme aus, dass Adorno sich eines philosophisch-anthropologischen Aggressionsbegriffes bedient. Der Aggressionstrieb ist in der Gegenwart zunächst schlicht vorgegeben“, und weiter: „Adorno nimmt den kulturellen Rahmen, in denen diese sich im Jargon ausdrückende Aggression überhaupt eine Bedeutung erwirbt, nur begrenzt zur Kenntnis“ (Karp, A, 2002, 3), so, als habe Adorno das Bewusstsein für den historisch-gesellschaftlichen Kontext des Jargons der Eigentlichkeit gefehlt: Adorno nimmt den kulturellen Rahmen, in denen diese sich im Jargon ausdrückende Aggression überhaupt eine Bedeutung erwirbt, nur begrenzt … zur Kenntnis.“ (Karp, A.  a. a. O., 3

[54] Adorno, T. W., Jargon der Eigentlichkeit – Zur deutschen Ideologie, Frankfurt 1964.

[55] Buzmaniuk, S., a. a. O.

[56] Karp, A., a. a. O., 65.

[57] Laut Weigel „systematisiert“ Karp, drei Phänomene: den Trieb oder Todestrieb, die Eigentlichkeit und kritische theoretische Konzepte (oder Konzepte der Kritischen Theorie?), Weigel, M., 2020. Den „Jargon“, den sie und Karp beide „systematisieren“ lässt sie in dieser Auflistung unerwähnt.

[58] Karp, A., a. a. O., 67.

[59] a. a. O., 2.

[60] ebda.

[61] So viel zum angeblich fehlenden Kontext. Wie Adorno berichtete, warf man sich in bestimmten Kreisen „anti-intellektueller Intellektueller“ seinerzeit gerne vor, nicht „eigentlich genug“ zu sein. (Adorno, T. W., a. a. O., 7).

[62] Hier hätte Weigels Kritik präziser sein müssen: “Aber Adornos Schilderungen der sich im Jargon ausdrückenden aggressiven Handlung lassen sich nur schwer konzeptuell begreifen … Denn die Überführung solcher Eindrücke in ein haltbares konzeptuelles Modell stößt an die Grenzen verschiedener sozialwissenschaftlicher Traditionen … Denn so sehr die Vorteile einer Überführung der Adornoschen Kritik in einen anderen Begriffsrahmen auf der Hand liegen, geht doch mit dem Verzicht auf Adornos Prämissen die Gefahr einher, dass ihre kritische Stringenz damit verschwindet.“ (Karp, A., a. a. O., 2)

[63] a. a. O., 60.

[64] a. a. O., 59.

[65] a. a. O., 61.

[66] a. a. O., 59.

[67] a. a. O., 63.

[68] Karp, A., 2025, 24 ff, In denen geht es (1.) darum, dass die„… aktuelle Generation unglaublich begabter Softwareingenieure sich von jeglichem Gefühl für ein nationales Ziel oder ein bedeutenderes und wichtiges Projekt losgemacht“ hat, (2.) um die Ursachen des aktuellen kulturellen Rückzugs aus der Software-Industrie durch den Staat, (3.), darum, was Palantir von anderen Firmen unterscheidet (Werbebroschüre) und schließlich (4.) um den „Neuaufbau einer Kultur gemeinsamer Bestrebungen und Ziele …“.

[69] a. a. O., 48.

[70] Karp, A., 2026, These 4.

[71] a. a. O., These 14 (Die Macht [Gewalt?] Amerikas hat eine außergewöhnlich lange Zeit des Friedens ermöglicht“).

[72] a. a. O., These 13 (“Kein anderes Land der Weltgeschichte hat so sehr progressive Werte vorangebracht wie dieses.“).

[73] Karp, A., 2025, 48

[74] Ebda.

[75] Karp, A., 2026, These 13 (“… Milliarden Menschen … nie einen Weltkrieg erlebt haben“).

[76] Karp, A., 2025, 57, Karp diagnostiziert, die „aktuelle Generation unglaublich begabter Softwareingenieure (hat) sich von jeglichem Gefühl für ein nationales Ziel oder ein bedeutenderes und wichtiges Projekt losgemacht.“ (a. a. O., 24 ff.)

[77] „Die Befähigung freier und demokratischer Gesellschaften, sich durchzusetzen, verlangt mehr als nur moralische Appelle. Sie verlangt Hard Power (ökonomische und militärische Stärke) …“ (Karp, A., 2025, 47.

[78] Afghanistan nach 9/11 könnte man da als einzige Ausnahme anerkennen, wäre da nicht die Tatsache, das Bin Ladens Tailban zuvor lange Zeit von den USA unterstützt und aufgerüstet worden waren.

[79] Karp, A., 2025, 50

[80] a. a. O.., 42, vgl. auch a. a. O., 200.

[81] a. a. O.., 23.

[82] Ebda.

[83] vgl. Supp, E., Dialektik und Staatsrecht in der Hegelschen Philosophie des Rechts, 1974 (2026).

[84]Ein solches Lippenbekenntnis adressiert Karp auch an den „Liberalismus“ als Aufgabe: „„… was jenseits einer festen und unverrückbaren Verpflichtung zum Liberalismus und seinen Werten, darunter der Weiterentwicklung der individuellen Rechte und Gerechtigkeit, unsere gemeinsame Vision der Gemeinschaft ausmacht …““ (Karp, A., 2025, 11 f.). Wobei er gleichzeitig von „leerem und hohlem Pluralismus“ spricht (Karp, A., 2026, These 22).

[85] Karp, A., 2025, 9.

[86] a. a. O., 22

[87] a. a. O., 25: Karp definiert als eines seiner Ziele, „dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in Europa und dem Rest der Welt so dominant in diesem Jahrhundert bleiben, wie sie es im letzten gewesen sind.“

[88] a. a. O., 108 ff.

[89] vgl. dazu auch meine, wenige Jahre später in Unkenntnis von Saids Theorie entstandene Arbeit über Australiens Aborigines („Vom Ende der Traumzeit – Australiens Aborigines“, enos—mag.de 2026/1985) und den Essay „Fremder, quo vadis? – Erkenntnistheoretische Überlegungen zum kulturkonfrontativen Denken“, enos-mag.de, 2024.

[90] Wikipedia, „Orientalismus“, de.wikipedia.org/wiki.

[91] ebda.

[92] Karp, A., a. a. O., 112.

[93] a. a. O., 113.

[94] ebda.

[95] Wikipedia, „Ende der Geschichte“, de.wikipedia.org/wiki.

[96] Karp, A., a. a. O., 43.

[97] ebda.

[98] a. a. O., 68.

[99] a. a. O., 11 f.

[100] ebda.

[101] a. a. O., 9.

[102] a. a. O., 118 f.

[103] vgl. dazu Supp, E., 2025.

[104] Karp, A., 2025, 227

[105] a. a. O., 91.

[106] a. a. O., 227.

[107] a. a. O., 241 f.

[108] a. a. O., 10.

[109] a. a. O., 9.

[110] Karp, A., 2026, These 16 („Wir sollten denen applaudieren, die dort Aufbauarbeit geleistet haben, wo der Staat nicht in die Gänge kam.“).

[111] Karp, A., 2025, 32.

[112] a. a. O., 205 f.

[113] a. a. O., 231.

[114] Genauso wenig, wie die harmlos klingende Zielsetzung eingangs des Buches: „Wir hoffen, dass dieses Buch allein schon durch seine Existenz beweist, dass ein deutlich lebhafterer Diskurs, eine bedeutendere und nuanciertere Hinterfragung unserer (gemeinsamen und nicht-gemeinsamen) Überzeugungen als Gesellschaft möglich ist – und vor allem dringend nötig ist.“

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